Eisenmund, das Debütalbum der Berliner Band Schimmel über Berlin, ist ein Werk von hämmernder, spröder Schönheit, das dort weitermacht, wo das angstbesetzte Berlin der frühen Achtzigerjahre aufgehört hat. Kantige, monophone Synthesizer, Gitarren, die sich mit drahtiger, aber melodischer Dringlichkeit durchsetzen, Basslinien, die mit straffer, treibender Präzision pulsieren, und Drums, die alles miteinander verschmelzen. Liv Billerbecks Gesang kommt aus der mittleren Distanz und schwankt zwischen distanziert und verzweifelt, als würde er durch eine winterliche Stadtlandschaft übertragen.
Der Titeltrack Eisenmund klirrt mit schrillen Synthesizern, die über einem Teppich aus Bass und traurigem Gesang schweben, der von einem Gefühl des Verlusts durchtränkt ist. Diese Stimmung überträgt sich auch auf die anderen Tracks, wie zum Beispiel das Post-Punk-Juwel Schreck mit seinen schillernd schönen Gitarren.
„Eisenmund“ ist scharf, atmosphärisch und still aufregend – ein Beweis dafür, dass die Schatten der Achtziger auch heute noch unter den flackernden Lichtern tanzen können. Das von T-Rex makellos produzierte Album fängt die klassische Post-Punk-Stimmung von urbanem Verfall, nächtlicher Selbstreflexion und hartnäckigem Bewegungsdrang ein, die mir, der ich damals dabei war, völlig vertraut ist, ohne jemals in bloße Nostalgie zu versinken.