A Ban On Plastic Bag Bans ist das 11. Studioalbum von Liars – ein seltsames und verstörendes Werk, geprägt von der bürokratischen Absurdität und der Macht großer Unternehmen, mit denen Angus Andrew während seiner Zeit in Kalamazoo, Michigan, konfrontiert wurde.
Nachdem er sich einer mühsamen Kampagne gegen die Umweltverschmutzung durch eine örtliche Verpackungsfabrik angeschlossen hatte, beschäftigten Andrew zunehmend die Frustrationen, Widersprüche und die institutionelle Trägheit, die diesen Kampf begleiteten. Statt die Ereignisse wortwörtlich zu dokumentieren, fängt das Album die psychologische Atmosphäre eines Lebens inmitten dieser Zustände ein.
Im Zentrum steht die Vorstellung, dass Ungerechtigkeit irgendwann Teil des alltäglichen Hintergrundrauschens werden kann: Umweltschäden werden zur Normalität, Macht erscheint unverrückbar, und der Versuch, sich dagegen aufzulehnen, wird zermürbend. Der Titel geht auf ein tatsächlich existierendes Gesetz in Michigan zurück, das es Kommunen untersagt, Einwegplastiktüten zu verbieten. Seine absurde bürokratische Logik wurde für Andrew zum Sinnbild seiner Erfahrungen – einer Situation, in der selbst Versuche, Umweltschäden zu verringern, zu etwas werden können, das verboten wird.
Das zwischen den USA und Australien geschriebene und aufgenommene Album bringt Andrew erneut mit dem Avantgarde-Jazz-Schlagzeuger Laurence Pike und dem Multiinstrumentalisten Cameron Deyell zusammen, die beide bereits an The Apple Drop mitgewirkt hatten. Durch Improvisation, Experimente und unmittelbare Reaktionen entwickelten die drei das Album über Kontinente hinweg und ließen die Songs nach und nach entstehen, anstatt mit vollständig ausgearbeiteten Stücken ins Studio zu gehen.
Dieser rastlose, unberechenbare Entstehungsprozess ist der Musik deutlich eingeschrieben. Beharrliche Synthesizerlinien und abgeklärter, von Müdigkeit gezeichneter Gesang werden immer wieder von eruptiver Percussion, verfremdeten Stimmen, Gitarren und Field Recordings durchbrochen. So entsteht ein permanentes Gefühl, als würde die Wirklichkeit untersucht, hinterfragt oder verzerrt. Angetrieben wird das Album von Wut, doch zugleich ist es von Erschöpfung und Resignation geprägt. Letztlich geht es A Ban On Plastic Bag Bans weniger um Protest an sich als um den psychischen Preis dafür, den Kampf gegen Kräfte fortzusetzen, die unerreichbar und übermächtig erscheinen.
„Nicht nur die Umwelt war vergiftet“, sagt Andrew. „Auch mein Kopf war es.“