Bis Raising Hell befand sich der Rap-Moloch, den wir als Run-DMC kennen, noch in der Auf- und Abbauphase. 1986 änderte sich das auf dramatische Weise. Mit ihrem dritten Longplayer hatte die Gruppe den Gipfel erreicht. Es war DIE Platte, die bewies, dass Hip-Hop keine Modeerscheinung war. Raising Hell markierte eine wichtige und bedeutende neue Ära für die Gruppe. Sie überließen den Produzenten Larry Smith dem aufstrebenden Klanginnovator Rick Rubin (noch immer Co-Produzent von Runs Bruder Russell Simmons) und begannen, nicht nur ihren eigenen Sound, sondern den Sound des gesamten Genres vollständig umzustellen. Weniger Live-Spiele – mit einigen Ausnahmen – und ein glatterer, strafferer Klangangriff. Abgesehen von der musikalischen Ästhetik blieben sie im Kern dem Wesen des Hip-Hop treu: zwei Plattenspieler und ein oder zwei Mikrofone. Es ist unmöglich, über das Album zu sprechen, ohne seinen weltweiten Hit „Walk This Way“, der auf Platz 4 der Billboard-Pop-Charts landete und bei dem die Gruppe in den Rockkisten wühlte, um Aerosmith leibhaftig zu beschwören und dabei die Musikalität von Steven Tyler und Joe Perry zu vereinen mit der eigenen Interpretation des 70er-Jahre-Klassikers durch die Gruppe. Das Video zum Song festigte Run-DMC als echte MTV-Idole, und beide Gruppen segelten auf der Welle zu neuen Höhen. Abgesehen von „Walk This Way“ ist die Platte voll mit unbestreitbaren klassischen Singles: „You Be Illin‘“; "Es ist schwierig"; „Peter Piper“ und das die Modewelt verändernde „My Adidas“. Jeder Song war ein neuer Beweis dafür, dass der Sound von Run-DMC zwar neu, aber dennoch vertraut und voller Energie, Charisma und Innovation war, die die Fans zu ihren ersten beiden LPs lockten. Abgesehen von den Singles ist der Grund, warum das Album so gut abschneidet, die Tatsache, dass es so gut wie keinen Füller enthält. „Proud To Be Black“ bleibt ein bahnbrechender und unterschätzter Song, wenn von „bewusstem“ Hip-Hop die Rede ist. Und um sicherzustellen, dass sie nie die Straßen verlieren, die ihnen ihren Anfang gaben, bringen „Hit It Run“, „Son Of Byford“, „Is It Live“ und „Perfection“ alles zurück in die Anfänge der Gruppe im Park. Neben dem dreifachen Platinstatus, den das Album erreichte, war es mehr als nur ein Pop-Hit. Es läutete eine neue Ära für die Rap-Musik ein und war der Wendepunkt für das gesamte Genre. Dies war der Beginn dessen, was wir heute das Goldene Zeitalter nennen, und es klingt auch heute noch so frisch wie vor drei Jahrzehnten.