Ich wiederhole einfach, was ich schon zur ersten Platte Comme Un Lion En Cage gesagt habe:
"Dass Brest das neue Portland ist, dürfte sich ja mittlerweile rumgesprochen haben...und auch, dass Jacky Cadiou quasi nie schläft und mehr Bands ins Leben gerufen hat als King Gizzard Platten gemacht haben...hier ein weiteres Projekt, etwas Oi-lastiger, aber mit den typischen Ohrwurm-Melodien mit WIPERS-artiger Stimmung und UK Punk Schlachtgesangs-Gangshouts. Nur Hits. Alles, was der Mann anfasst, wird zu Gold."
Der Titel bedeutet übrigens: "die Macht mit Gewalt an sich reißen"
Dies ist das zweite Album von PRISONNIER DU TEMPS, und schon allein am Cover erkennt man, dass dessen einziges Mitglied, Jacky Cadiou, überraschen wollte und nicht einfach nur ein sinnloses Nachfolgealbum abliefern wollte. Schon allein an diesem Bild spürt man den Wunsch, mit den üblichen Konventionen zu brechen. Und genau das tut er auch in diesen acht neuen Tracks: Er bricht die Regeln. Hier steckt viel Kühnheit drin und ein klarer Drang, sich von einer französischen Oi!-Szene zu lösen, die immer uninteressanter wird. Diese Platte geht über diese Langeweile hinaus und reicht viel weiter. Sie ist nicht weniger wütend oder brutal, weder in der Musik noch in den Texten. Doch neben dieser Gewalt gibt es jede Menge eingängige, mitreißende und insgesamt hymnische Momente. Das ist weit entfernt von langweiligem, einfältigem Oi!. Diese Kühnheit öffnet die Tür zu gewaltigen, epischen Melodien, die an CRIMINAL DAMAGE erinnern könnten, und wenn wir schon von Portland-Bands sprechen, hört man auch die wilde melodische Intensität von TRAGEDY und POISON IDEA, alles angetrieben von einem rohen, überrollenden Post-Punk-Hardcore-Sound. Man spürt wirklich, dass dieses Album aus Jacky Cadious Bedürfnis entstanden ist, seine Wut gegen diejenigen loszuwerden, die uns unterdrücken. Es ist die Frustration und der Schmerz der Vergessenen, die hier in Musik verwandelt wurden: „Die Welt schreitet mit geschlossenen Augen voran und Gaza brennt, vergessen … In Schmerz und Tränen fallen Kinder unbewaffnet …“
Mit diesem zweiten Album liefern PRISONNIER DU TEMPS die Platte, die man nicht erwartet hat, aber unbedingt braucht.